Willkommen – Reisender - im Lande der Elfen, Zwerge, Menschen, Orks und Oger. Nein, dies ist nicht Mittelerde, du befindest dich auf geradem Wege nach Aventurien, dem phantastischen Kontinent, auf dem sich die Geschehnisse von „Das schwarze Auge“ abspielen.
Seine Berühmtheit hat das erfolgreiche DSA-Universum den „Pen & Paper“-Spielen zu verdanken, die 1984 erstmals im deutschen Verlag „Schmidt Spiele“ erschienen. Grundlage des Spiels sind das, von Ulrich Kiesow und Droemer Knaur entwickelte, umfangreiche Regelwerk sowie das von Grund auf erschaffene Spieleuniversum der Welt „Dere“, insbesondere der erwähnte Kontinent Aventurien.
Jeder Spieler schlüpft in die Rolle eines Helden, dessen Persönlichkeit, Hintergrundgeschichte, Fähigkeiten und Moralvorstellungen nach komplizierten, streng reglementierten Verfahren ausgewürfelt werden. Einer übernimmt die Rolle des Spielleiters und hat fortan die Aufgabe, die Spieler zu leiten (welch Überraschung!), ihnen aber auch Hindernisse in den Weg zu legen, Statusveränderungen auszuwürfeln und schließlich Erfahrungspunkte zu vergeben, mit denen die Helden nach und nach stärker werden. Ähnlich funktionieren auch die Computerspiele, die zwischen 1992 und 1996 erschienen und dem Spieler erstmals die Möglichkeit gaben, seine Abenteuer auch alleine vor dem heimischen PC zu verleben.
Erster Teil der Saga war „Die Schicksalsklinge“.
In dem 1992 von Attic für den PC und Amiga produzierten Spiel ging es um das legendäre Schwert Grimring (die Schicksalsklinge) welches von der Spielergruppe innerhalb einer bestimmten Zeit gefunden werden musste, um den Vorstoß der Orks zu unterbinden. Neben dieser Grundstory gab es aber auch allerlei Nebenquests, mit denen der Spieler seine Gruppe wie gewohnt verbessern konnte. Stets hat der Spieler eine Vielzahl von Möglichkeiten um seine Ziele zu erreichen. Wird Geld benötigt, können zum Beispiel ganz klassisch Gegenstände verkauft werden (bei hoher Fähigkeit „feilschen“ zu besonders guten Konditionen), aber wer einen Dieb in der Gruppe hat, kann ebenso versuchen, sich an den finanziellen Mitteln Anderer zu bereichern. Natürlich auf die Gefahr hin, in einen Kampf verwickelt zu werden.
Für Diesen schaltet das Spiel um in eine Vogelperspektive. Wer nun aber stumpfes Klicken, wie etwa bei Diablo erwartet, wird sich wundern. Auch der Kampf läuft bei DSA streng reglementiert ab. Nacheinander werden erst den einzelnen Gruppenmitgliedern Befehle zugeteilt, diese werden dann nacheinander ausgeführt (was möglich ist und wie hoch jeweils die Erfolgschancen sind, wird wahlweise automatisch berechnet oder vom Spieler selbst ausgewürfelt), dann tut der KI-Gegner das selbe. So geht es Zug um Zug, bis entweder die eigenen Mannen oder alle Feinde tot sind.
1994 erschien dann der direkte Nachfolger „Sternenschweif“.
Nachdem das Unheil des ersten Teils abgewendet wurde, verschlägt es den Spieler in die Stadt Svellttal, wo er erfährt, dass durch Wiederbeschaffung des „Salamandersteins“ ein Bündnis zwischen Elfen und Zwergen hergestellt werden muss.
Auch wenn sich grafisch und spieletechnisch nicht viel verändert hatte, so sorgte die für damalige Verhältnisse ungewöhnlich gute Sprachausgabe (zunächst nachträglich durch ein „speech pack“ extra erhältlich, heute glücklicherweise auf der CD-Version enthalten) für eine bis dato unerreichte Atmosphäre und Identifikation mit den Charakteren.
Ein ganz besonderes Feature war zudem die Möglichkeit, Helden aus dem ersten Teil direkt in den Nachfolger zu importieren und somit die bereits liebgewonnene Gruppe ein neues Abenteuer erleben zu lassen.
Ein großer technischer Schritt erfolgte 1996 mit dem Erscheinen von „Schatten über Riva“ welches den Spieler erstmals mit einer (für damalige Verhältnisse) aufwändigen 3D-Perspektive und zudem einer zusammenhängenden Spielewelt (statt wie vorher nur Hauptstädten, die über eine Übersichtskarte miteinander verbunden waren) überraschte.
Storytechnisch knüpft das Spiel wieder lose am Vorgänger an: nachdem das Bündnis wiederhergestellt wurde, verschlägt es die Gruppe in die nördliche Hafenstadt Riva, in der allerlei Geheimnisse gelüftet werden müssen. Die Charaktere konnten wie gewohnt aus dem Vorgänger übernommen werden.
Nach einiges gescheiterten Versuchen, ein neues Abenteuer in Aventurien stattfinden zu lassen (unter Anderem das geplante Spiel „Armalion“ aus dessen Grundstrukturen später das überaus erfolgreiche „Sacred“ entstehen sollte) kündigte „dtp entertainment“ am 21. April 2006 offiziell an, das bereits seit 2005 an einer weiteren Umsetzung des DSA-Universums für den PC - “Drakensang” - gearbeitet würde. Entwickler ist das erfolgreiche Unternehmen „Radon Labs“, welches sich bisher durch Spiele wie „Verliebt in Berlin“ und „Meine Tierarztpraxis“ einen eher zweifelhaften Ruf in der Spielerszene aufgebaut hat.
Dennoch macht das zu Teilen bereits fertig wirkende Spiel einen sehr viel versprechenden Eindruck, was hauptsächlich an der konsequenten Haltung der Entwickler liegt, nichts am bestehenden Regelwerk oder gar am typischen Design von DSA zu verändern. Stattdessen arbeitet man eng mit offiziellen DSA-Autoren, -Zeichnern und -Spielern zusammen, um sowohl dem Hardcore Pen & Paper-Fan, als auch dem Neueinsteiger ein möglichst angenehmes Spieleerlebnis zu garantieren.
Graphisch macht das Spiel einen hervorragenden Eindruck. Zwar verzichtet man auf einen fließenden Tag/Nacht-Wechsel (ein Feature, das bereits in „Schatten über Riva“ enthalten war und für dessen zukunftsweisende Qualität spricht), da die Entwickler die Beleuchtung nach eigenen Aussagen nur für dramaturgische Zwecke einsetzen wollen, dafür sind die Animationen durch modernstes „Motion Capturing“ realistisch und schön anzusehen, die Umgebung wirkt organisch und stimmig, die Sprachausgabe ist professionell und alles wird begleitet von einem epischen, orchestralen bis leicht im Hintergrund säuselnden Soundtrack.
Einizges Manko: die Übernahme gespeicherter Charaktere aus einem der Quasi-Vorgänger wird aus technischen Gründen nicht möglich sein – Sehr schade!
Update: Die bewegten Bilder aus dem sehr früh eingestellten “Armalion”, welches später als Grundlage für “Sacred”diente, wurden leider aus urheberrechtlichen Gründen entfernt.
May 17th, 2009 um 10:05
Schade, dass die Videos teilweise nicht mehr erreichbar sind.