Krieg.
Krieg ist immer gleich.
Freunden strategisch anspruchsvoller Runden-Action in atmosphärisch-beklemmenden Endzeit-Szenarien sollten diese Worte (oder auch: “WAR, War never changes” - für uns elitäre ‘Nur-Originalversionen-spieler’) nur allzu bekannt vorkommen.
Bereits 1997 veröffentlichte das kreative Team von Interplay den ersten Teil der mittlerweile legendären Fallout-Reihe. Sie spielen den “Bunkerbewohner”, einen Nachkommen der wenigen Glücklichen, die es geschafft haben, sich rechtzeitig vor der atomaren Katastrophe in einen der unterirdischen Bunker (eng. “vault“) zu flüchten. Frisch ans Tageslicht gekrochen erkunden Sie die verwüstete Westküste der USA, in der sich die übrige Menschheit etwas aufgebaut hat, was man einigermaßen als Zivilisation bezeichnen könnte.
Fallout bestach vor Allem durch den schwarzen Humor und vor Allem seine bis dato einmalig packende, realistisch und doch surreal wirkende “50er-Jahre-Art-Deko-Endzeit-Stimmung” welche in ähnlicher Form im kürzlich erschienenen Ego-Shooter “Bioshock” aus dem Hause Irrational Games für weit aufgerissene Spieleraugen sorgte. Dabei lassen sich die beiden Spiele ansonsten nur schwer miteinander vergleichen, denn in Fallout geht es wesentlich gemächlicher zu.
Wann immer ein Kampf beginnt, pausiert das Spiel und Sie haben alle Zeit der Welt, sich die passende vorgehensweise auszusuchen: zutreten, wild umherschießen oder doch eher ein bestimmtes Körperteil angreifen? Wie erfolgreich Sie mit welcher Vorgehensweise sind, bestimmen natürlich - wie in jedem Rollenspiel - ihre Charakterwerte.
In Fallout wirkten sich Diese aber auch extrem auf die Storyentwicklung aus. (Ein Attribut, welches sich Entwickler BioWare später mit “Knights Of The Old Republic” und ähnlichen Spielen als eine Art Markenzeichen aneignete)
Nach einem nicht weniger genialen Nachfolger (mit dem einfallsreichen Titel “Fallout 2“) und einigen - leider extrem innovationsarmen und zurecht erfolglosen - Versuchen anderer Entwickler, die Serie weiterzuführen wurde Fallout 3 angekündigt, welches von Bethesda Softworks (im Folgenden “Bethesda” genannt) entwickelt wird.
In diesem Spiel, welches im Herbst 2008 erscheinen soll, verkörpern Sie zunächst einen Jungen, der in Vault 101 nahe Washington D. C. lebt und versucht, das misteriöse Verschwinden seines Vaters durch Erkunden des Umlandes aufzudecken.
Bethesda, die bereits mit “The Elder Scrolls 4: Oblivion” Welterfolge feiern konnten, änderten allerdings das Spielkonzept von Fallout 3 so grundlegend, dass viele eingefleischte Fans dem Spiel bereits jetzt kritisch gegenüberstehen. So sollen die rundenbasierten Kämpfe - das Herzstück dessen, was die Serie bisher ausmachte - durch moderne, schnelle Echtzeit-Action á la Oblivion ersetzt werden.
Meine persönliche Meinung: Ein unglaublich feiger Zug von Bethesda, die hiermit einen großen Schritt in Richtung purer Massentauglichkeit gehen und damit eine Tradition beenden, die in einer Zeit geboren wurde, in der Spieleentwickler sich noch die Freiheit nehmen konnten, Innovationen zu entwickeln, auch, wenn dies manchmal bedeutete, Risiken einzugehen.
Womit Ich nicht behaupten will, dass Interplay das Prinzip rundenbasierter Strategie selbst entwickelt oder neu erfunden hätte. Sie haben sich ein bewährtes Spielprinzip zu eigen gemacht und es so gut an ihre eigenen Bedürfnisse angepasst, dass es selbst zum Markenzeichen der Fallout-Serie wurde. Das ist, als würde Hollywood ein Summer-Action-Remake von Fritz Lang’s Metropolis mit Vin Diesel als “Maria The Big Badass Killah Robot” machen.
Trotz Allem darf man gespannt sein, wie Bethesda die spannende Story (mit angekündigten 12 alternativen Enden), die umfangreiche Spielwelt (wenn auch nur mit 50% der Kartengröße von Oblivion) und vo Allem das 50er-Jahre-Endzeit-Flair der Vorgänger umzusetzen vermag.
Wer die Wartezeit überbrücken will, dem sei die wohl umfangreichste Fallout-Timeline aller Zeiten ans Herz gelegt.