Hattet ihr schonmal eine Idee, die ihr selbst für so kreativ, intelligent und innovativ gehalten habt, dass ihr euch nicht im Traum hättet vorstellen können, dass irgendjemand in der Geschichte des Homo Sapiens zuvor darauf gekommen sein könnte?
Und habt ihr dann bei dem Versuch, dieser Idee eine Form zu geben, entdecken müssen, dass sich zu eurem genialen Konzept bereits eine ganze Subkultur mit eigenem Personenkult und Vokabular entwickelt habt, ohne, dass ihr je etwas davon mitbekommen hättet?
Dann könnt ihr vielleicht nachvollziehen, wie es mir ging, als ich bei Youtube kürzlich den Begriff “Let’s Play” eingab und mir damit eine bunte Welt eröffnet wurde, von deren Existenz ich zuvor nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Und um an dieser Stelle meine kulinarischen Hauptversorger zu zitieren: “Ich liebe es!”
Aber worum get es hier eigentlich? Lasst mich kurz zurückblicken. Anno Domini 2008 habe ich von einem Trend einzelner Internet-Entertainer berichtet, PC- und Videospiele vor der Kamera zu spielen und dabei live (oder im Nachinein) zu kommentieren. Zugegeben, die oben beschriebene Erkenntnis war dementsprechend leicht dramatisiert dargestellt. Dennoch, als ich kürzlich in Ermangelung interessanter Blog-Themen Überlegungen anstellte, wie ich Themen-Engpässe für euch, meine Leser, am Besten mit (idealerweise eigens produziertem) Material überbrücken könnte, stieß ich auf das Phänomen der deutschen “Let’s Play”-Szene.
Was folgte, kann nur als Odyssee bezeichnet werden. Über Wochen bannte man mich in die magische Welt des Zuschauens. Höhen und Tiefen, humoristische Meisterwerke und unbeholfene erste Gehversuche Neugebohrener. Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet. Gigantische Schiffe, die brannten - draußen vor der Schulter des Orion. Und Ich habe C-Beams gesehen; glitzernd im Dunkeln nahe dem Tannhäuser Tor. All diese Momente werden- nein moment, falsches Blog - Entschuldigt!
Was ist also ein Let’s play? Ganz einfach: Jemand spielt und ihr schaut zu. Klingt langweilig? Das wäre es sicher auch, würde derjenige euch das Spiel nicht durchgehend auf möglichst unterhaltsame Art und Weise kommentieren. (Außer es handelte sich bei dem zugrunde liegenden Spiel um “XCOM”, denn es ist absolut undenkbar, dass irgendjemand dieses Unterhaltungs-Vakuum von einem Spiel auch nur annähernd füllen könnte!) Ich demonstriere euch das beispielhaft anhand des Youtube-Nutzers JunkDiesel, der sich gleich für sein Erstlingswerk einen meiner absoluten Lieblingstitel, “Hitman: Blood Money“, herausgesucht hat. Bevor ihr also weiterlest, guckt euch Folgendes an:
Zugegeben, das Vorgehen in der ersten Mission war nicht sehr subtil, Mr. Diesel, aber das kann ich nur zu gut nachvollziehen, wer hasst diese Mission nicht? Dass mir hier nur nicht der Eindruck entstehe, die sagenhaft grauenhafte Kino-Verfilmung dieser besten aller Spieleserien sei auch nur im geringsten als Darstellung der wahren Natur von Mr. 47 zu verstehen (Also bitte, Hitmen sollen aufgegriffene Waisenkinder sein? Ugh! Was ist mit der Klon-Story - dem einen Aspekt, der 47 zu dem macht, was er ist - zu “unrealistisch”? Aber das ist ein anderes Thema.) Bevor ich mich wiedermal endlos darüber aufrege. suchen wir uns lieber ein Beispiel, das der Natur des lautlosen Killers eher entspricht:
Yeah, SO muss das sein!
Aber damit vorerst genug von Kollege Diesel (sonst schickt der Gute mir noch Nicole Bonnet auf den Hals).
Zieht euch also warm an! Nein, das sollte kein “cooler” Spruch zum Abschluss sein, ich meine es ernst. Habt ihr mal raus geguckt? Das Wetter ist zur Zeit wahnsinnig. Vergesst blos nicht eure warmen Socken, lange Unterhosen und Bommelmützen.
Bis demnächst, euer Cg-Shoutboxer!