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Let’s Play: Interview mit JunkDiesel - Teil 3

Autor: kaimar
abgelegt in: Allgemein

Im dritten und letzten Teil des Interviews sprechen wir über Beeinflussung von Letsplayern durch Fans und einander. Schließlich wagen wir einen Ausblick auf die persönliche Pläne und die Zukunft der Szene im Allgemeinen.

Zu Teil 1     |     Zu Teil 2

11. Siehst du dir im Voraus oder im Nachhinein Let’s Plays anderer Spieler zu Spielen an, die du selber bereits kommentiert hast bzw. zu kommentieren gedenkst?

Nein. Meine LPs nehme ich hauptsächlich auf, um mir die Zeit zu vertreiben. Solange ich dabei gute Arbeit leiste (sprich: mit mir zufrieden bin) und mich unterhalten kann, habe ich alles erreicht, was ich damit erreichen will. Mich interessiert dabei nicht, ob und wer das Spiel schon gespielt hat. Wenn ich ein Let’s Play schauen möchte, tue ich das, weil es mir gefällt; nicht, um meine eigenen LPs daran zu orientieren oder abzustimmen. Da stört es mich auch nicht, wenn ich gerade dasselbe Spiel als Projekt betreibe. Beeinflusst wird mein wirres Gehirn davon nicht.

12. Inwiefern beeinflusst dich deine Fan-Community stilistisch und/oder inhaltlich?

Gar nicht. Ich mache, was immer ich möchte. Es freut mich, wenn es ein paar Leuten gefällt, stört mich aber auch nicht, wenn es jemandem nicht gefällt. Wenn dir Blutwurst nicht schmeckt, iss sie nicht.
Ich freue mich über jedes Feedback und die vorhandene Anerkennung ist natürlich auch was Schönes, wen freut die nicht? Aber das sind nicht die Gründe, weswegen ich meine Let’s Plays mache. Solange meine Zuschauer Freude am Zusehen haben, ist das fein. Haben sie die nicht mehr, sollten sie sich woanders umsehen. Ist doch nichts dabei. Ich verbiege mich nicht, um jemandem zu gefallen. Deshalb sind meiner Zuschauer mir nichts schuldig, ich ihnen aber auch nicht. Und ohne Druck oder Schuldigkeiten kann man ein Hobby viel mehr genießen. Und dabei wirds auch bleiben, was meine Let’s Plays betrifft. Sollte ich mich mal dazu durchringen, ein Special zu machen, lasse ich mich vielleicht in irgendeiner Form beeinflussen. Ansonsten nicht.

13. Glaubst du, dass ein Let’s Play unentschlossene Käufer eher abschreckt (weil man „alles schon kostenlos gesehen hat) oder im Gegenteil zum Kauf eines Spieles anregt?

Siehe Fragen sieben und acht. Kommt ganz auf das Spiel an. Wenn mir das Spiel gefallen hat, ist es durchaus möglich, dass ich es mir zulege. Hat mir einfach nur das LP gefallen, weil der Spieler es schön gemacht hat, wahrscheinlich nicht.

14. Wie schätzt du die Zukunft deiner „Let’s Plays” und des „Let’s Play” im Allgemeinen ein?

Was meine Let’s Plays betrifft, sage ich das, was ich zu allem sage, was ich tue: keine Garantie auf Zustandserhaltung. Wenn ich keine Lust mehr habe, höre ich einfach damit auf. So spontan, wie ich damit begonnen habe. Da gibt es dann keine Theatralik und große Abschiedsvideos, sondern vielleicht eine kurze Nachricht im Bulletinbereich und dann kommen keine Videos mehr. Und das wäre wohl auch nicht endgültig, da ich sicher irgendwann wieder Lust bekäme. Vielleicht aber auch nicht. In nächster Zeit jedoch sehe ich keinen Grund, damit aufzuhören. Unter Umständen komme ich ab April seltener dazu, mir wirklich Zeit dafür zu nehmen, weil mein Studium beginnt, aber aufhören will ich nicht. Dazu habe ich noch zu viele Spiele auf meiner „To Do-Liste stehen.
Was die Szene allgemein betrifft, hüte ich mich, ein verbindliches Urteil abzugeben, nur meine Meinung zum Thema. Allein schon deshalb, weil es mich nicht wirklich interessiert. Ich mag zwar ein Teil davon sein, aber auch das ist eher Kollateralschaden meines Hobbys. Solange es Videospiele und YouTube gibt, werden genug Menschen ihr Treiben aufnehmen, kommentieren und hochladen. Ob die Szene weiterhin so viele Mitglieder haben wird, wird die Zeit zeigen. Ich denke, dass die Zahl aktiver Spieler irgendwann wieder abnimmt, sobald etwas anderes, das sie ebenfalls tun können, mehr Abonnenten bringt. Denn die meisten machen das leider, um Abos zu bekommen. Demnach wird sich das Feld irgendwann lichten und es werden diejenigen überbleiben, die einfach Spaß daran haben, sich nicht von ihrer Fanbase wie ein dressiertes Äffchen behandeln lassen und ihr eigenes Ding durchziehen. Ich vermute, dass gerade viele der jüngeren Let’s Player in zwei Jahren nicht mehr aktiv sein werden. Das wird jedoch ebenfalls die Zeit zeigen. Lass uns in zwei Jahren noch einmal drüber sprechen. Liege ich richtig, geht die nächste Runde auf mich. Liege ich falsch, geht die nächste Runde auch auf mich. In jedem Fall werden wir einen trinken und somit gewinne ich in dieser Situation todsicher. ;> (Amn.: Ich werde darauf zurückkommen. ;-) )

15. Wie bewertest du die Relevanz eines kohärenten Designs im Bezug zur inhärenten Intention des Mediums, das Visuelle auditiv zu kommentieren um eine nonkonformistisch-innovative Kunstform zu generieren?

Ich denke, man sollte, wie schon mal erwähnt, dem Grundton des Spieles nach seine Darstellungs- und Kommentierweise wählen und danach verfahren. Nicht auf das Spiel und dessen Intention einzugehen, sondern einfach nur um seiner Selbst willen etwas zu erzählen, endet in Personenkult, aber nicht in der Ehrung eines bestimmten Spiels, was ein LP meiner Ansicht nach sein sollte. Hier von einer neuen Kunstform zu sprechen, ist auch nicht ganz richtig, da das Prinzip einfach schon zu alt ist. Man kann das Rad eben nicht ständig neu erfinden. Aber seinen eigenen Stil, den sollte man in jedem Fall finden. Jeder Mensch ist anders und da LPs an sich durchaus eine Kunst sein können, sollte man darin den Künstler wiedererkennen und nicht nur die der Kunst zugrunde liegende Idee eines imaginären Optimums. Kunst existiert um ihrer Selbst willen, ohne Zweck und Nutzen. Das sollte stets im Hinterkopf behalten werden.

Vielen Dank für das Interview.


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