Fünf Jahre nach dem Start der ersten Staffel kommt nun das offizielle Spiel zur Serie vom slowenischen Entwicklerstudio ZootFly, welches in Deutschland von Publisher Deep Silver vermarktet wird.
Als Fan der ersten Stunde habe ich mich über diese Meldung natürlich besonders gefreut. Endlich mal selbst als Michael Scofield den brutalen Alltag im Fox River State Penitentiary erleben, mit anderen Seriencharakteren interagieren und präzise dem eigenen komplizierten Ausbruchsplan folgen.Leider wurde meine Hoffnung insofern enttäuscht, als dass wir im Spiel nicht Scofield selbst, sondern Tom Paxton, einen (extra für das Spiel erfundenen) Agenten der zwielichtigen “Company”, die Scofields Bruder Lincoln Burrows in der Serie überhaupt erst ins Gefängnis brachte. Das Ziel besteht dementsprechend nicht etwa darin, Scofield zur Flucht zu verhelfen, sondern Selbige im Gegenteil mit allen Mitteln zu verhindern.
Das erzeugt einen sehr netten Perspektivenwechsel für Kenner der Serie, dürfte denselben aber gleichzeitig keine größeren Überraschungen bieten, da der Ausgang der Handlung ja bereits bekannt ist. Sollten also die Entwickler nicht gerade mit einem alternativen Szenario á la “Inglourious Basterds” aufwarten können, dürfte auf Seiten der Handlung nicht mit allzu viel Spannung zu rechnen sein.
Hierfür sorgen dennoch diverse Schleicheinlagen, die Paxton im Laufe des Spieles in abgesperrten Bereichen absolvieren muss. Dadurch erinnert das Spiel teils an Ausbruchs-Klassiker wie “Prisoner Of War” oder die Spiel-Umsetzung des Steve McQueen-Klassikers “The Great Escape“. Das Spiel ist dabei leider denkbar unnachgiebig, was den Schwierigkeitsgrad angeht, Wer auch nur für einen Sekundenbruchteil in das Sichtfeld einer Wache gerät, darf den entsprechenden Abschnitt sofort wieder von vorne anfangen.
Ebenfalls frustrierend bzw. nervig können die eingestreuten “Quick-Time-Events” im Stile von Fahrenheit oder Prince Of Persia sein. Hier gilt es (mal wieder) im exakt richtigen Moment die richtige Taste zu drücken. Was generell eine nette Idee wäre, krankt wieder am selben Problem, wie bereits in den vorher genannten Titeln. Die Animationen können noch so flüssig, die Sequenzen noch so actiongeladen sein, wer immer gezwungen ist, auf das kleine Icon in der Bildmitte zu starren, kann sich daran nicht wirklich erfreuen.
Das (Faust-)Kampfsystem ist ähnlich simpel wie z.B. im Vin Diesel Klassiker “Riddick: Escape from Butcher Bay” (bzw. der Neuauflage/Fortsetzung “Assault on Dark Athena”). Außer leichten Schlägen, harten Schlägen und Blocken ist hier nicht viel zu erwarten. Aufgelockert wird auch das wiederum durch die zuvor erwähnten “Quick-Time-Events”.
Technisch ist das Spiel zwar nicht überragend, aber gutes 2010er Mittelmaß. Immerhin liegt es weit über dem Standart sonstiger Serien- und Filmumsetzungen. Die Charaktere sind sehr gut als ihre Serien-Pendants erkennbar, die Grafik ist Standart-3D und die Animationen wirken dank Motion Capturing flüssig und realistisch. Insgesamt ist Prison Break sicher kein großartiges Spiel, dürfte Fans der Serie aber definitiv einige vergnügliche Stunden bereiten.