Brian Basco ist tot. Keine Angst, das war kein Spoiler sondern ist vielmehr die (vermeindliche) Ausgangssituation des neuesten Teils der Runaway-Serie, der seit Kurzem im Handel erhältlich ist.
Das neue Spiel der Pendulo Studios (Runaway: A Road Adventure, Runaway 2: The Dream Of The Turtle) beginnt dramatisch: Brians Freundin Gina trauert an seinem Grab. Doch in wahrheit hat der nerdige Physikstudent und Adventureheld seinen Tod nur vorgetäuscht um der Anschuldigung des Mordes an einem hochrangigen General zu entgehen.
Damit knüpft Runaway: A Twist Of Fate nahtlos an das offene Ende seines Vorgängers an. Diesen müsst ihr allersings nicht gespielt haben, denn zum Einen ist die Story trotz des harten Einstiegs sehr eigenständig, zum Anderen werden die vergangenen Geschehnisse auf Wunsch in unterhaltsamen Diashows zusammengefasst.
Unterhaltsam ist das Stichwort bei diesem Spiel, denn wie schon sein Vorgänger besticht es vor Allem durch seine schrägen Charraktere (etwa Ernie, der nicht zur Pfleger der örtlichen Irrenanstalt, sondern auch fanatischer Elvisfan ist), irrwitzige (aber nie ZU absurde) Dialoge, eine spannende Story und natürlich die liebevoll gezeichneten, comicartigen 2D-Hintergründe, vor denen sich die gut animierten 3D-Charaktere bewegen. Abgerundet wird das Spiel natürlich durch seine sporadisch eingestreuten, doch nie aufgesetzt wirkenden Anspielungen an die Pop-Kultur (Indiana Jones lässt grüßen).
Endlich haben es die Pendulo Studios nun auch geschafft, die unfairen Rätsel der Vorgänger (in ihrer Art damals als “Runaway-Syndrom” in den allgemeinen Sprachgebrauch vieler Rezensenten eingegangen) auszumerzen. Es gibt nun keine Sackgassen durch Items mehr, die erst nach dem Erfüllen bestimmter (mit dem eigentlichen Rätsel nicht zusammenhängender) Rätsel zu lösen sind. (Beispiel: Ich kann einen Kugelschreiber erst aufheben, nachdem ich einem Vogel einen Keks gegeben habe.)
Auch die sympathische Rätselhilfe aus dem Vorgänger wurde übernommen und erweitert. Sie stellt nun das gezeichnete Büro einer “Pendulo Hotline” dar, in der leider schon alle Mitarbeiter Feierabend gemacht haben und nur noch der leicht senile Raumpfleger anwesend ist. Das ist eine nette Idee, allerdings halte ich persönlich nicht viel davon und werde zumindest beim ersten Durchspielen versuchen, auf diese Hilfe weitestgehend zu verzichten, da sie einen mit ihrem “Meta-Humor” wahrscheinlich sehr stark aus dem Spielgeschehen reißt.
Alles in Allem scheint es hier zum Abschluss des Adventure-Jahres 2009 noch einmal einen richtigen Knaller zu geben, der Freunden des Genres definitiv ans Herz gelegt wird.