In der vergangenen Woche fand die vierte “deutsche gamestage” im Berliner Congress Center bcc statt. Wer hat mit wem, und wieso eigentlich nicht mit mir?
Etwa 1500 Interessierte besuchten die diesjährigen deutschen gamestage in unserer Hauptstadt. Welche unfassbar vielseitig bereicherten Podiumsdiskussionen ihr verpasst habt? Um es kurz zu machen: keine.
Zwar gab es im Rahmen der Entwicklerkonferenz “Quo Vadis” ein durchaus interessantes Gespräch zum Thema “Computer und Ethik”, näher noch: über die kommenden Alterskennzeichnungen im Netz. Das hat sich dann aber aufgrund der beschränkt gehaltenen Disputantenrunde (USK, JuMeSchu, CDU/CSU..) gleich mal im bekannten allgemeinen Interessen-Gejaule selbst disqualifiziert.

deutsche gamestage © Medienboard / Bueschleb
Am vergangenen Samstag fand in der Stuttgarter Innenstadt die vom Verein “Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden” organisierte Aktion gegen “Killerspiele” statt. Was war ihr Inhalt, war sie erfolgreich? Und wo ist eigentlich mein Half Life 2?
Gut zwei Dutzend Jugendliche entschieden sich, sich im Rahmen der Aktion “Familien gegen Killerspiele” von ihren Computerspielen zu distanzieren und sie öffentlich in die dafür installierte Tonne zu werfen. Der mit diversen Plakatierungen (”give peace a chance”) verzierte Container beherbergte am Ende nur wenige Titel, darunter aber das wohl bekannteste unter den Shootern: CounterStrike.
Trotz der offensichtlich mäßigen Teilnahme betrachtet der Elternbündnis-Vorstand Hardy Schober die Aktion grundsätzlich als Erfolg. Es gehe nämlich nicht um die Masse, sondern um die Symbolik dahinter. Man wolle, dass diskutiert und ein Zeichen gesetzt wird, um Killerspiele aus den Kinderzimmern zu verbannen.
Weil die Initiatoren reale Angriffe von Aktionsgegner fürchteten, engagierten sie zum Selbstschutz einen privaten Sicherheitsdienst. Ob sie dem Frieden damit wirklich eine Chance geben - ganz symbolisch, natürlich? Denn wie es in den Wald reinschallt..
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Momentan diskutieren die Spielehersteller darüber, wie sich die Preise für Games als auch Konsolen entwickeln wird.
Im Zuge der gesetzlichen Institutionalisierung von digitalen Rechten, die von den momentan hochdiskutierten Urheberrechten bis zur Garantie für Spiele reicht, kommen auch die Preise für Spiele ins Wanken.
Preise und die neuen Marketingideen der Spieleindustrie
Einerseits setzen viele - gerade im MMO-Bereich auf Mikro-Transfers, wobei das Spiel in der Regel umsonst oder recht billig ist. Mikro-Transfer bedeutet nur, dass man kleine Euro-Beträge für Features bezahlt, also neue Waffen oder mehr Freiheiten.
Andere hingegen setzten auf das bisherige Mittel der Vollfinanzierung durch Verkauf der Nutzungsrechte - sprich: das Spiel wie bisher kaufen.
Uneinigkeit bei den Spieleherstellern
Aber auch in diesem Lager teilen polarisiert der Spielepreis. So forderte Robert Kotick, der Geschäftsführer von Activision Blizzard, vor kurem erneut drastische Preissenkungen. Im Hause Sony hingegen ist man ganz anderer Auffassung: Der Spielepreis muss steigen um die Games zu sichern.
Erstaunlicherweise kommt aber Modern Warefare 2 (Call of Duty) von Activision mit dem stolzen Preis von 59,99 Euro auf den Markt!
Auch im dritten Teil behält das Spiel Tropico seinen Charme. Schön anzusehen und extra Features machen Lust auf Tropico 3.
Als Herrscher einer kleinen karibischen Insel, sprich Kuba, muss man die Dinge zum Laufen bringen.
Das Spiel, das im September erscheint, gibt keine Vorlagen, wie man zu spielen hat. Man kann als Diktator auftreten oder als Wohltäter. Das Ziel ist das kleine karibische Inselparadies zu Geld zu bringen - also Dich zu Geld zu bringen. weiterlesen »
Ein Aufschrei ging durch die Europäische Spiele-Entwickler-Branche. Die EU will eine zwei-Jahres Garantie für “tangible movable consumer goods”.
Für den gewöhnlichen User klingt das natürlich erst Mal super, bedeutet es doch ein Stückchen mehr Rechte im Bereich der Spiel-DVDs. Und Bugs würden unter die Garantiepflicht fallen.
Pros und Contras in der Garantie-Diskussion
Die Spiele-Hersteller sehen das natürlich ganz anders. Diese sorgen sich vielmehr darum, dass die Konsumenten dies ausnützen würden, und wegen jedem Pippi-Bug das Spiel zurück geben würden.
Wenigstens würden die Spiele dann Bugfreier auf den Markt kommen und nicht, wie im Bananen-Markt, die Sachen beim Kunden reifen zu lassen.
Aber die Spiele-Hersteller gehen noch einen Schritt weiter und begreifen die gebrannte Software nicht als “tangibel“. Außerdem würde man ja nicht das Recht auf die Software, sondern nur die Nutzung verkaufen.
Der heutige Einwurf der Politik ist aber noch nicht beschlossene Sache. Zunächst muss die EU-Kommission darüber beraten. Doch nach heutiger Sicht bzw. dem heutigen Sturmlauf der Spiel-Industrie ist wohl abzusehen, dass es nicht zu der Zwei-Jahres-Garantie auf Software kommt.
Andererseits, welches Spiel, spielt man schon zwei Jahre?
Die Trauer wiegt schwer. Erneut ist ein Schwergewicht der Spielekritiker aus dem Rampenlicht verschwunden.
Dabei hatten wir uns so gefreut auf weitere Jahre mit dem militanten Jugendschützer Beckstein, der in Computerspielen das konzentrierte Übel der Welt vermutete.
Letzte Woche der Rücktritt - aus politischen Gründen. Vielleicht hat Herr Beckstein ja jetzt Zeit, die kleine Serie über Killerspiele zu lesen, die kaimar mit herzerfrischender Genauigkeit an den Spieler gebracht hat. Vielleicht spielt er ja mal selbst ein Spiel? Ich kann mir gut vorstellen, dass die aufgestauten Aggressionen aus dem Politikeralltag aus Herrn Beckstein einen passionierten Postal-Spieler machen würden. Oder zumindest einen GTA-Fanatiker.
Wer weiß, vielleicht erleben wir in 10 Jahren einen völlig reformierten Günni, der sich in einer verspäteten Aufwallung von Jugendwahn SNES-Emulatoren runterlädt und dann verknackt wird, weil er kein Geld für die ROMs bezahlen will? Oder er trifft sich irgendwo mit Jack Thompson, und die beiden zocken nächtelang Halo 15 im Coop.
Nach einiger Verzögerung nun der letzte Teil meines Statements zur endlos sinnlosen Killerspiel-Diskussion: Was bringt die Zukunft? Was müssen Spieler fürchten? Klar ist, dass diese Zeit für uns Gamer die schwerste in der Geschichte der Videospiele ist. Denn niemals zuvor gab es eine derartige Mischung aus Profilierungssucht, Ignoranz, Machtgeilheit und Blindheit in Politik und Medien uns gegenüber.
Doch zumindest das von Günther Beckstein einst so vehement geforderte „Herstellungsverbot gewalthaltiger Computerspiele“ dürfte fürs Erste in weite Ferne gerückt sein, denn dass Computerspiele in Deutschland mittlerweile dreistellige Millionenbeträge erwirtschaften, scheint zwar sowohl Politikern als auch Medien entweder komplett entgangen oder herzlich egal zu sein, die Wirtschaft jedoch hat alles Andere als ein Herstellungsverbot dieser neuen Medien im Sinn. Und somit bleiben den Spielern zumindest einige wenige Verbündete in diesem sinnlosen Kampf, in dem es den meisten Spielern doch gar nicht um das Ausleben von Gewaltphantasien, sondern lediglich um die Befreiung von der lächerlich überzogenen Bevormundung durch den Staat geht.
Wer volljährig ist, sollte im Normalfall durchaus zwischen Spiel und Realität entscheiden können. Und die wenigen schwarzen Schafe, bei denen diese Abgrenzung nicht mehr stattfindet haben in ihrem Leben wesentlich größere Probleme als Computerspiele.
Aber wie gesagt. Sich um die wahren Hintergründe solch schrecklicher Amokläufe zu kümmern, evtl. die Zugänglichkeit von Waffen weiter einzuschränken, den Blick auf Familien, Schulen oder soziale Brennpunkte zu legen, wäre offensichtlich zu riskant. Man könnte ja eventuell auf Missstände stoßen, die es zu bereinigen gilt.
(und damit meine Ich nicht die schwachsinnigen Diskussionen über Erziehungscamps, Schockhaft und elektronische Fußfesseln)
Somit wartet man als leidgeprüfter Hobby-Massenmörder einfach ab, bis der stetig kreisende Suchscheinwerfer der populistischen Profilneurotiker wieder einmal auf uns leuchtet. Wer weiß, wenn sie mit den türkisch stämmigen Vorstadt-Gangstern fertig sind, kommen vielleicht mal wieder die Satanisten dran (sprich: Alle, die schwarz tragen) – das hatten wir schon länger nicht mehr.
Was bietet uns die Regierung als Schutzmaßnahmen gegen diese offensichtliche (wenn auch wissenschaftlich in keinster Weise nachgewiesene) Bedrohung unserer Psyche und den Schutz unserer Jugend an?
Kurzerhand entwickelte man nach den jüngsten Debatten Mitte 2007 einen neuen Gesetzesentwurf, den das Bundesministerium für Familie etc. so beschreibt:
„Der Gesetzesentwurf ist Bestandteil des Sofortprogramms zum wirksamen Schutz von Kindern und Jugendlichen vor gewaltbeherrschten Computerspielen“
Nun, zumindest sind es keine Killerspiele mehr.
Nun geht man also gegen „gewaltbeherrschte Computerspiele“ vor.
Zunächst sei hierbei das neue Kassensystem erwähnt, das ab 2008 in den großen Elektronik-Fachmärkten zum Einsatz kommen soll. Dieses System gibt einen elektronischen Alarm-Ton von sich, wenn ein Kunde ein Spiel ohne Altersfreigabe (sprich: USK 18) zu kaufen versucht. Ob dies nur der Verkäuferin zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit verhelfen oder den Kunden als „perversen Konsumenten gewaltverherrlichenden Gedankengutes und potentiellen Amokläufer“ bloßstellen soll, sei dahingestellt und ist mit Sicherheit Auslegungssache.
Die USK-Kennzeichnung soll demnächst um einiges größer ausfallen und laut Bundesfamilienministerin Von der Leyen “wie die Warnhinweise auf Zigarettenpackungen nicht mehr zu übersehen sein.”
Oder wie es in der offiziellen Pressemitteilung heißt:
“Das Zeichen ist auf der Frontseite der Hülle links unten auf einer Fläche von mindestens 1200 Quadratmillimetern und dem Bildträger auf einer Fläche von mindestens 250 Quadratmillimetern anzubringen.”
Ob dann demnächst auch Sätze wie „Cheaten kann die Spermaregeneration beeinträchtigen und zu Impotenz führen“ auf den Verpackungen stehen?
Auch die automatische Indizierung jener Spiele, die “besonders realistische, grausame und reißerische Gewaltdarstellungen und Tötungshandlungen” beinhalten, soll nach den neuen Gesetzesentwürfen möglich sein.
Aufgrund der Flexibilität dieser Begriffe (Eine genaue Definition des Begriffes „Killerspiel“ liegt bis heute nicht vor) lässt viele Spieler schwarz sehen.
Damit wäre der nächste Punkt erreicht, die Rolle der Medien – insbesondere der öffentlich-rechtlichen Sender in diesem Themengebiet.
Gerade als jemand, der Sich Sendungen wie “Frontal 21” und “Panorama” zuvor nicht angeschaut hat, war ich umso schockierter, die dort ausgestrahlten Berichte zu diesem Thema zu sehen, in dem Ich mich glücklicherweise relativ gut auskenne. Somit war jedoch mein erster Gedanke: „Wie sehr werden doch dort Menschen manipuliert und geradezu aufgehetzt, die sich mit der Materie nicht auskennen?“ und des weiteren fragte Ich mich: „Inwiefern kann Ich diesen Sendungen jetzt noch vertrauen, wenn über Themen berichtet wird, in denen Ich mich nicht auskenne? Werde Ich möglicherweise ebenso manipuliert?“ Da es den hiesigen Rahmen sprengen würde, sämtliche Fehleinschätzungen in den erwähnten Berichterstattungen aufzulisten (seien es nun freischaltbare Nazi-Symbole in Medal of Honor, Vergewaltigungen als zentraler Spielinhalt in Grant theft Auto oder schwangere Hausfrauen mit Kinderwagen in Counter Strike) kann Ich jedem, der sich ein Bild von wahrlich erschreckend unseriöser, subjektiver und teilweise schlichtweg erlogener „Reportage“ machen will, folgendes Video empfehlen:
Kurioserweise haben die verantwortlichen für diese – mittlerweile 3 Jahre alte – Sendung ihre Fehler offensichtlich immer noch nicht eingesehen. Und so gibt hier bereits Gegendarstellungen der Programmchefs, die sich auf die genannte Gegendarstellung beziehen, sowie eine Gegendarstellung der Administratoren zu der Gegendarstellung der Programmchefs zu genannter Gegendarstellung.
Die Diskussionen nehmen kein Ende und Frontal 21 sendet munter weiter hetzerische Beiträge voller inhaltlicher Fehler, Ungenauigkeiten und dreister Lügen.
Ein weitaus sinvollerer Denkansatz mag die leichte Veränderung des Waffengesetzes gewesen sein, die allerdings den selben gravierenden Nachteil hat, an dem auch die Änderung des Jugendschutzgesetzes leidet:
Die legalen Nutzer der Produkte (seien es Waffen oder Spiele) leiden unter den neuen Gesetzen, denn sie werden an der friedvollen Ausführung ihres Hobbys gehindert und fühlen sich zudem bevormundet.
Die illegalen Nutzer beziehen weiterhin auf den ihnen bekannten Wegen ihre Ware, seien dies Waffen auf dem Schwarzmarkt oder Spiele von Online-Importhändlern mit dem Ausweis der Eltern.
Die Not der Politiker, nach Ereignissen wie dem Amoklauf von Erfurt oder dem jüngsten deutschen Schul-Massaker in Emsdetten am 20.11.2006 einen Sündenbock zu finden und sich voll und ganz auf diesen zu konzentrieren, ja sogar die Medien zu 100 % auf dieses Thema anzusetzen ist dabei so offensichtlich, dass man über die offensichtliche Unfähigkeit jener Politiker, sich mit wirklich gravierenden Problemen auseinander zusetzen, nur noch lachen könnte, wenn es nicht so traurig wäre.
Warum sollte man sich überhaupt die Mühe machen, sich zu fragen, woher ein Jugendlicher derartige Mengen an Waffen beziehen kann? Warum sollte man sich in seinem privaten, sozialen oder schulischem Umfeld umschauen, wo es doch so viel leichter ist, ein allgegenwärtiges Massenmedium für alles verantwortlich zu machen, das ja aufgrund der großen Anziehungskraft, die es auf Jugendliche auswirkt schon mal von vornherein suspekt ist.
An vorderster Front dieser Anti-Spiele-Bewegung stehen derzeit Uwe Schünemann (CDU) und Günther Beckstein (CSU), dem wir im Übrigen nicht nur die abartige Wortschöpfung „Killerspiel“ zu verdanken haben, sondern auch solch rhetorische Meisterleistungen wie:
„Killer-Spiele’ sollten in der Größenordnung von Kinderpornographie eingeordnet werden, damit es spürbare Strafen gibt.“ (Website der ARD Tagesschau - 21. November 2006)
und
„Man kann nicht tatenlos zusehen, wenn immer wieder Jugendliche und junge Erwachsene nach dem Konsum von Killerspielen schwerste Gewalttaten begehen.“ (Hamburger Abendblatt – 17. Januar 2007)
So ist es wohl unnötig zu erwähnen, dass der Name „Günther Beckstein“ Spielern mittlerweile ähnliche Kopfschmerzen bereitet wie die Bezeichnungen „Frontal 21“ und „Panorama“.